Breyhan sucht Wege von der Kunst zum Leben

Wer nichts weiß, ist im Vorteil / Vortrag in Büttelborn

 

 

Kunstverstand ist nach Auffassung von Kritikern und Fachleuten einer intellektuellen Elite vorbehalten. Im Café Extra beginnt hingegen am Mittwoch eine Vortragsreihe, die mit leicht verständlichen Begriffsdefinitionen und anschaulichen Beispielen jedem konzentrierten Zuhörer die schönen Künste näher bringen kann.

 

Büttelborn

Christian Breyhan hält nichts von langwierigen Theoretisieren. Er bahnt den Zuhörern seiner Vorträge Wege zu den schönen Künsten sozusagen über die Hinter-treppe und verknüpft ästhetische mit lebenspraktischer Erfahrung.

 

Er ist eine Ausnahmeerscheinung. Der heute 60-jährige gebürtige Berliner fiel schon früh durch sein künstlerisches Talent auf....„Meine Familie hat mir den Blick für viele Kunstrichtungen geöffnet“, sagte Breyhan. Auch seine Schwester, die professionelle Tänzerin war hat ihn stark beeinflusst.

 

Dieses universelle Kunstverständnis schlägt sich in einer Vortragsreihe nieder, die der Künstler im Büttelborner Café Extra halten wird. Hierbei geht es mir darum, die Einflüsse bestimmter Themen auf die unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen zu zeigen“, erklärt Breyhan. Das erste Thema soll der Sommernachtstraum von William Shakespeare sein. „Anhand praktischer Beispiele wie Dias, Filme, Gedichte und Musik werde ich den Zuhörern das ewig aktuelle Thema der Vereinigung aus Traum und Wirklichkeit erlebbar werden lassen.“ Man kann den Zugang zu den künstlerischen Gebäuden durch den Vordereingang finden. Der Weg dorthin ist aber meist so kompliziert, dass sich die Suchenden unterwegs verlaufen oder aufgeben. Breyhans Zugang funktioniert über die künstlerische Hintertreppe, klammert das Theoretisieren aus und setzt auf persönliche Erfahrung. Das Besondere an seinem Unterricht sei, das man seiner Aussage nach keinerlei kulturelle Vorbildung brauch, um seinen Ausführungen zu folgen.

 

Nach seinem Studium der chinesischen Malerei in Düsseldorf ging er nach Florenz, wo er die Renaissance studierte. Dort arbeitete er als Dozent für Malerei und Musik. „Die Toskana war damals einer der ärmsten Landstriche Italiens, viele Menschen konnten nicht lesen und schreiben“, sagt er. „Dort war es wichtig, die Kunst auf eine ganz subtile Weise nahe zu bringen.“ Und so errichtete er mit seinen Kollegen so etwas wie eine Volkshochschule, die sich regen Zuspruchs erfreute. Hier entwickelte und verfeinerte er seine anschauliche Methode, über Kunst zu dozieren. „Mit unserem Unterricht haben wir das Leben vieler Menschen dort grundlegend verändert“, so Breyhan. „Viele Schüler kamen über mehrere Jahre hinweg zu meinen Kursen, obwohl sie von Hause aus Landwirte waren.“

 

 

Von Arne Löffel, Frankfurter Rundschau 17.12.2001